Anton Batagov

19. Januar 2020
Elbphilharmonie Kleiner Saal
Einlass:
18:00 Uhr
Beginn:
19:30 Uhr
Tickets:

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Foto: © Ira Polyarnaya

Anton Batagov ist ein Phänomen.  Als Absolvent des renomierten Gnessin-Institut Moskau und des traditionsreichen Moskauer Tschaikowski-Konservatoriums sowie als Preisträger des Internationalen Tschaikowski-Wettbewerbs 1986 war sein Weg als Weltklasse-Pianist eigentlich bereits vorgezeichnet.  Doch schon seine frühen Interpretationen von BachSchubertBeethoven oder Ravel ließen darauf schließen, dass er sich allein darauf nicht würde reduzieren lassen.  

Vielmehr hatte Anton Batagov von Beginn an stets das Große Ganze im Blick.  So beschäftigte er sich neben den Großen Pianisten Europas seit jeher auch mit Neuer Musik und stellte Werke von Steve ReichPhilip GlassJohn Cage oder Morton Feldman einem russischen Publikum vor.  Er beschäftigte sich mit Post Rock genauso wie mit Filmmusik.  Viele seiner Werke sind von Buddhistischen Praktiken geprägt und man kann ihn wohl ruhigen Gewissens als Rebell gegen den kommerziellen Musikbetrieb bezeichnen.

Mit großem Erfolg: so wurde nicht nur sein Debut, eine 160-minütige Aufnahme von Olivier Messiaen’s Vingt regards sur l’Enfant Jesus, von der Kritik gefeiert, auch seine Aufnahmen von Bach’s Die Kunst der Fuge wurde von Richard Kostelanetz als „bemerkenswerteste Interpretation von Bach seit Glenn Gould“ bezeichnet.  Überhaupt scheint Anton Batagov ein besonderes Gespür für Bach zu besitzen, so bezeichnete das Crescendo Magazin ihn 2018 im Bezug auf seine letzten Bach-Aufnahmen als „phänomenalen Musiker“ und als „einen der größten Pianisten aller Zeiten“ – und stimmen mit dieser Einschätzung mit niemand geringerem, als Teodor Currentzis überein.

Ganz nebenbei trat Anton Batagov viele Jahre zudem auch als Künstlerischer Leiter des legendären Alternativa-Festivals in Erscheinung.

1997 beschloss Anton Batagov seine Karriere als Konzert-Pianist ruhen zu lassen und sich ganz seinen eigenen Kompositionen zu widmen.  In den Folgenden 12 Jahren sollten seine Werke ihn zur wohl ungewöhnlichsten und zugleich einflussreichsten Persönlichkeit zeitgenössischer Musik in Russland machen.  Den ohnehin schon eigenwilligen Traditionen des russischen Minimalismus drückte Batagov seinen ganz persönlichen Stempel auf und ließ vor allem die Grenze zwischen Komposition und Auftritt vergessen.

Seit Anton Batagov wieder Konzerte spielt ist er vor Allem auf den bedeutendsten Bühnen Russlands zuhause, aber auch außerhalb Russlands nimmt man zu Recht so langsam Notiz von diesem außergewöhnlichen Pianisten, Komponisten und Menschen.  So lud ihn beispielsweise Philip Glass persönlich ein um im Mai 2019 neben ihm, Marielle und Katia Labèque und anderen gleich zwei Tage in folge in der ausverkauften Philharmonie de Paris zu spielen. 

Und so könnte man Anton Batagov durchaus zurecht als einen der Großen Minimalisten unserer Zeit bezeichnen.  Doch er selbst mag diesen Ausdruck eigentlich gar nicht – vor allem da er für ihn irreführend ist: Minimalismus ist in seinen Augen eben sehr viel mehr als eine Kompositionstechnik in der Tradition von Philip Glass, Terry Riley oder Steve Reich. Vielmehr sieht er die Wurzeln des Minimalismus in der Natur aller universellen Prozesse:

Minimalismus bedeutet Konzentration.  Diese Konzentration ist unser Weg zurück nach Hause.  Wenn unser Geist auf etwas fokussiert und nicht abgelenkt ist, ist es möglich in einen völlig anderen Geisteszustand zu gelangen.  Einen Zustand, in dem wir wirklich transzendentale und transformierende Erfahrungen machen können.

Das ist der Grund, warum sämtliche Rituale, alle spirituellen Gesänge, Mantras, Gebete und Folklore von überall auf der Welt einem einzigen Motiv oder rhytmischen Muster folgen, das in verschiedenen Variationen oder langsamen Änderungen wiederholt wird.  All das ist Minimalismus.

Auch die Musik aller Komponisten von Perotin bis Bach ist Minimalismus: Etüden, endlose Variationen einer Akkordfolge oder eines Motivs.  Auch viele Komponisten nach Bach haben noch minimalistische Wurzeln.  (Anton Batagov)

Für Anton Batagov ist Minimalsmus also mehr als nur ein in den 1960er Jahren entwickelte Technik. Vielmehr ist Minimalismus etwas, das tief in uns allen verwurzelt ist.

Sein Program Du bist die Ruhmöchte er als Reise durch minimalistische Werke, die in verschiedenen Jahrhunderten geschrieben wurden, verstehen: 

In diesem Programm gibt es keine Klassische Musik, keine Alte Musik, keine Zeitgenössische Musik.  Es spielt keine Rolle, wann jedes dieser Werke geschrieben wurde und wer der Komponist war.  Musik ist keine Sammlung von Punkten auf Papier.  Musik ist Klang.  Ein Soundtrack für unsere Meditation.  Jetzt.  Hier.  (Anton Batagov)

Am 19. Januar 2020 freuen wir uns sehr diesen bemerkenswerten Künstler im Kleinen Saal der Elbphilharmonie mit dem folgenden Programm begrüßen zu dürfen.

 

Du Bist die Ruh:

Unbekannt (England, frühes 16s Jahrhundert) - A Galyarde

Anton Batagov - Letter from Sergei Rachmaninoff to Peter Gabriel   

Johann Sebastian Bach - Jesus Bleibet Meine Freude  

Henry Purcell - Ground in C Minor    

Anton Batagov - I'm Far Away   

Philip Glass - Distant Figure  (Passacaglia) 

Franz Schubert - Du bist die Ruh    

 

PAUSE

 

Unbekannt (England, frühes 16s Jahrhundert) - My Lady Careys Dompe   

Claude Debussy - Des pas sur la neige  

Anton Batagov - Love is the Creator's Disquiet  

Philip Glass - Prophecies  

Anton Batagov - Invisible Lands 4    

Johann Pachelbel - Canon in D Major  11