BOBBY OROZA

03. November 2019
Hafenklang Goldener Salon
Einlass:
20:00 Uhr
Beginn:
21:00 Uhr

Bobby Oroza Website
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Das Konzert wird präsentiert von ByteFM und HHV.

Tourveranstalter: pøj pøj.

Dieser Mann ist cinephil, ohne Zweifel. Im Video zu seinem Song „Your Love Is Too Cold“ sieht man seinen Schädel David Lynch-like im Schatten eines Rotweinglases. Ort der Handlung: das Kafe Moskova, eine schummrige Bar in Helsinki, Besitzer: Aki Kaurismäki. Bobby Oroza wird kurz darauf von einer "Wild at Heart"-inspirierten Dame angebrüllt, hüpft vom Hocker und gibt den Nicolas Cage. Die drei letzten übriggebliebenen Personen bewegen sich exzentrisch zur Musik, irgendwo zwischen Karaoke-Bar und psychedelischem Soft-Porno. Oroza selbst sieht aus wie wie der sexy kleine Bruder von Dale Cooper aus „Twin Peaks“, im leicht zu großen Anzug. 

But who the fuck is this Bobby Oroza?

Bobby ist in Helsinki geboren und hat die Leidenschaft für Musik sozusagen mit der Muttermilch eingesogen. "In einer Musiker- und Künstlerfamilie aufgewachsen" wäre als Formulierung noch viel zu untertrieben: Auf den Familienfesten hat Bobbys bolivischer Großvater oft zur Gitarre gegriffen und lateinamerikanische canciones und kubanische Klassiker gesungen. Bobbys Mutter ist ausgebildete Sängerin. Sein Vater Jazz-Gitarrist im Gitan-Stil. Auch seine Geschwister arbeiten in der Show- und Musikbranche. 

Zu Bobbys Glück hatten seine Eltern dann auch noch eine große Plattensammlung: frühester Jazz, Blues, Motown-Hits, Gospelchören und Doo-Wop-Gruppen wie The Drifters und The Clovers. Alben aus Brasilien und Afrika, Folksongs aus Nord- und Südamerika und Salsa-Musik aus New York. All diese Einflüsse sind heute in Bobbys Musik hör- und spürbar.

Und schon als Jugendlicher verdiente Bobby sein Geld genau damit. 

Seine Hauptinstrumente: Gitarre und Schlagzeug. Noch vor seinem Schulabschluss drängte es ihn, die Quelle jener Rhythmen zu finden, die ihn so inspirieren. Und so reiste er nach Santiago auf Kuba. Dort studierte er monatelang intensiv Schlagzeug und Gesang. Seit seiner Rückkehr ist er damit beschäftigt, Musik zu produzieren, aufzunehmen und zu performen, um Geld für seine Familie zu verdienen. Mit Cold Diamond & Mink, der Hausband von Timmion Records, bestehend aus Bandleader Jukka Sarapää, Sami Kantelinen und Gitarrist/Komponist Seppo Salmi, bildet er ein brillantes Quartett, mit dem er seine Vision in Musik umsetzt. CD&M liefern mit ihren LoFi-Instrumentals die perfekte Untermalung für Bobbys verrauchte Tenorstimme, die Herzen brechen und schmelzen lässt.

„This Love“ ist längst zum Hit in Lowrider-Kreisen geworden und wurde auf „Hat Trick“ von Earl Sweatshirt gesamplet. Der Song ist mit seinen harten Drums, den wilden Riffs, dem vergrabenen Bass und Bobbys verhaltenem, aber intensivem Gesang ein Muss für Soul-Sammler und hat sich als 7″mehr als 3.000 Mal verkauft. 

Der Song „Your Love Is Too Cold“ ist ein Stomper, der Soul-Grooves früher Motown-Stücke mit Gitarrenriffs aus einem Funk-Soundtrack von James Brown mischt und schon jetzt weltweit auf allen Soul-Partys schwer angesagt ist. Bobby hat einiges für die Tänzer im Publikum in petto: Stücke wie „Lonely Girl“ und „Falling in Love“ sind Verneigungen vor dem Northern Soul, „Keep On Believing“ liefert Jazz-Funk wie aus den Siebzigern. Aber „This Love“ wendet sich vor allem an die Balladenliebhaber, die voller Sehnsucht in die Nacht schauen. Mit Songs wie „Alone Again“, „Down On My Knees“ und „Deja Vu“ beschwört er eine intensive, leicht abgründige Sinnlichkeit. 

Bobby Oroza ist 33 Jahre alt und biografisch ein untypischer Soulsänger. Von einem weißen Finnen mit bolivianischen Vorfahren erwartet man sich nicht unbedingt eine derartige Authentizität in diesem afroamerikanischen Genre. Wie einst der große Curtis Mayfield spielt Oroza, während er singt, Gitarre. Auf ihr bringt er Klänge hervor, die zuweilen klingen, als kämen sie aus einer Orgel. Diese Sounds kühlen die Hitze seines Gesang ab. Immer wieder wechselt er zwischen Falsett und tieferen Lagen. 

Liebe ist immer das Leitmotiv dieses Werks. Und so nennt sich dieses fantastische Debütalbum auch „This Love“. 

Ein gutes Beispiel für die Qualität Orozas ist die Ballade „Alone Again“. Ein wenig Hi-Hat und Basstrommel, ausgewählte Gitarrenlicks, und schon krallt sich diese sehnsuchtsvolle Stimme in die Gehörgänge. Sie schafft eine Intimität, die atemlos macht. Im dezent klagenden Ton schwingt ein Versprechen auf etwas Geheimnisvolles mit, das trotz zuweilen bedrohlicher Konturen ungleich verlockender wirkt als alles, was man als „zeitgenössischen“ Sound definiert.