LUBOMYR MELNYK

07. Februar 2020
Elbphilharmonie Kleiner Saal
Einlass:
18:30 Uhr
Beginn:
19:30 Uhr
Tickets:

Lubomyr Melnyk Website
Event auf Facebook

Das Konzert wird präsentiert von NDR Kultur.

Tourveranstalter: Powerline Agency

Ich sage den Leuten nicht, dass ich Komponist bin.  Ich weiß nicht, was ich bin. (Lubomyr Melnyk)

Und in der Tat ist es eine Herausforderung den Künstler Lubomyr Melnyk in seiner Komplexität zu begreifen.  1948 wurde er als Sohn ukrainischer Eltern in einem Münchner Flüchtlingslager geboren.  Zwei Jahre später wanderte seine Familie nach Kanada aus, wo er bereits in sehr jungen Jahren zu seinem Instrument, dem Klavier fand.  Nachdem er in Winnipeg eben dieses Instrument studierte fand er sich Anfang der 70er Jahre mit einem Abschluss in Latein und Philosophie, aber ohne konkrete Perspektive in Paris wieder.  

Obdach- und mittellos begann er dort die Tanzstunden der experimentellen Pariser Choreografin Carolyn Carlson am Klavier zu begleiten.  Unabhängig von klassischen Konventionen und losgelöst von seiner musikalischen Ausbildung begann er dort eine neue Art von Musik zu spielen: spontan und improvisatorisch - inspiriert vor allem von den rhythmischen Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer.  Mit dem Sustain Pedal begann er Echos und Hall zu erzeugen und frei fließende Abfolgen von Noten in rasantem Tempo in hypnotische Klangwellen zu verwandeln.  Diese Technik in Kombination mit seiner atemberaubenden Geschwindigkeit – tatsächlich hält er noch heute einen Rekord als schnellster Pianist der Welt mit 19,5 Anschlägen pro Sekunde – ermöglichten Lubomyr Melnyk seine Einflüsse aus Minimal Music, Jazz, traditioneller ukrainischer Volksmusik und sogar indischer Klassik gewissermaßen zu einem harmonischen Sturm anschwellen zu lassen und so eine völlig neue Klangsprache zu entwickeln.

Das Resultat dieser neuen Art des Klavierspielens ist nicht allein das Ende der 70er Jahre erschienene Debut KMH, vielmehr begründete Lubomyr Melnyk so ein völlig neues Genre: die Continuous Music, der er bis heute treu geblieben ist.

Der Ruhm anderer stilprägender Pioniere dieser Zeit wie Terry RileySteve Reich oder Philip Glass sollte Melnyk aber auch 120 Werke später, bis heute versagt bleiben.  Nicht zuletzt dank seines immensen künstlerischen Outputs hat es Melnyk aber vor allem in den Letzten Jahren geschafft sich ein größeres Publikum zu erspielen und den Status eines Geheimtipps endgültig abzulgen. So veröffentlichte er zuletzt unter anderem Alben auf dem äußerst geschmackssicheren Label Erased Tapes, dessen Gründer Robert Raths er laut eigener Aussage zu großem Dank verpflichtet ist.

Zuletzt erschien eben dort  auch sein Album Fallen Trees (2018), auf dem mit der Berliner Cellistin Anne Müller und dem amerikanischen Sänger David Allred auch zwei von seinen Labelkollegen bei Erased Tapes zu hören sind.